Eine Geschichte des Langenbrückener Schulwesens

von Bernhard Steltz

Im 17. Jahrhundert wurde im damaligen Fürstbistum Speyer der allgemeine Volksschulunterricht eingeführt. Die Folgen des 30jährigen Krieges lasteten jedoch noch schwer auf der Bevölkerung und so war es nicht verwunderlich, dass bei den harten Lebensbedingungen die Eltern ihre Kinder zur Feldarbeit hinzuzogen und diese auch in der eigentlichen Unterrichtszeit in den Wintermonaten nicht zum Schulbesuch angehalten wurden.

So lautete der Bericht der ersten Schulvisitation im Fürstbistum Speyer im Jahre 1683 für Langenbrücken: "Langenbrücken: 63 Fam. Lehrer, Messner und Uhrrichter: Wolfgang Schwang, wird von der Gemeinde angestellt, genügt seinem Amte. Geh.: von der Gemeinde 8 Mltr. Korn, 8 fl. und von jedem Bürger einen Groschen und eine Glockengarbe.

Die Kinder werden nicht zur Schule geschickt. Monita: Die Kinder sollen bei Vermeidung von Strafen zur Schule angehalten werden."

Durch die angedrohten Strafen muss sich der Schulbesuch jedoch allmählich gebessert haben, denn 100 Jahre später wurde bei den damals eingeführten "Prämienprüfungen" ein Lehrer aus Langenbrücken, Friedrich Cardon, lobend erwähnt.

Siebenmal erhielt er einen Geldpreis, 1793 sogar den ersten des ganzen Bistums in Höhe von 25 Gulden. Dieser Lehrer Cardon ist noch in anderer Hinsicht bemerkenswert.

So wurde am 9. Oktober 1815 auf Befehl des "Großherzoglich-Badischen Hochpreisslichen Ministeriums vom Innern (kathol. Kirchensektion)" - durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und der damit verbundenen Aufhebung sämtlicher geistlicher Herrschaften gehörte Langenbrücken inzwischen zum Großherzogtum Baden - das Jubelfest des verdienten Schullehrers Georg Friedrich Cardon zu Langenbrücken gefeiert.

In der Festschrift ist dazu vermerkt: "Er hatte sein 70stes Lebensjahr bereits angetreten, und 55 Jahre lang des Schulamtes wichtige und mühsame Pflichten mit der gewissenhaftesten Berufstreue erfüllt, als Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden gnädigst geruheten, ihn mit einer Pension von 300 fl. in den Ruhestand zu setzen, demselben zur Belohnung seiner ausgezeichneten Verdienste die goldene Verdienstmedaille zu erteilen, und zur Aufmunterung sämtlicher Schullehrer die Haltung einer öffentlichen Jubelfeier zu befehlen."

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Der ursprüngliche Schulraum in Langenbrücken war nur eine Stube im "Schul- und Hirtenhaus" in der heutigen Schulstraße. Dieses Gebäude wurde im Jahre 1964 abgebrochen.

Doch mit der Zeit verbesserten sich die Schulverhältnisse und im Jahre 1765 errichtete die Gemeinde ein eigentliches Schulhaus auf dem Platz des heutigen St. Josefshauses mit zwei Unterrichtsräumen; nachzulesen ist dies auf dem noch erhaltenen Türstein dort.

Da auch ein Anbau an das alte Schulhaus die Schülerzahlen nicht mehr bewältigen konnte, erwarb die Gemeinde im Jahre 1870 das "Bodesche Haus" an der Hauptstraße auf dem heutigen Grundstück der Sparkasse und richtete im Erdgeschoss zwei Klassenzimmer ein. Im Obergeschoss wurden zwei Lehrerwohnungen erstellt.

Das stattliche Haus war indessen bald zu klein, aber es musste doch noch seinen Zweck erfüllen, bis im Jahre 1951 das neue Schulhaus seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

Ein dritter Unterrichtsraum verblieb bis zum Jahre 1927 im Anbau des Josefshauses. Danach wich man in den Bürgersaal des alten Rathauses aus.

Doch die Schülerzahlen stiegen und so war die Gemeinde gezwungen, in einem Privathaus, dem jetzigen Kaufhaus Effenberger, einen weiteren Schulsaal unterzubringen. Wenig später machte das Schulzimmer einem Friseurgeschäft Platz und der dortige Schulsaal wurde in die alte Kelter verlegt.

Diese war 1821 in den Besitz der Gemeinde übergegangen, hatte als Zehntscheuer gedient und fand in neuerer Zeit auch noch andere Verwendung. So wurde das Eckzimmer gegen das neue Rathaus jahrelang als "Judenschule" genutzt.I

Im Gebäudeteil gegenüber der jetzigen Schule war der Gemeindebackofen untergebracht. Nach dem Jahre 1933, während der Zeit des Nationalsozialismus, wurde daraus ein Schulungsheim, das sogenannte "NS-Heim" mit einer Bücherei.

So war die Schule inzwischen an drei verschiedenen Standorten untergebracht, mit allen Konsequenzen für den täglichen Schulbetrieb. Es gab mehrere Pausenplätze, Schüler und Lehrer mussten wandern, und es gab nur eine Toilettenanlage, welche von allen Unterrichtsräumen her frequentiert werden musste und die sogar den damaligen Hygienevorschriften nicht genügte.

So begann, wie in der Urkunde über die Grundsteinlegung für den Neubau der Volksschule Langenbrücken dokumentiert ist, eine Planungsphase von vierzig Jahren, mit drei gescheiterten Projekten, bis zur endgültigen Realisierung des Neubaus. Eine Ortsbereisung durch den Landrat im Jahre 1910 ergab die dringende Notwendigkeit eines Schulhausneubaus.

Im Februar 1913 fasste der damalige Gemeinderat auch einen entsprechenden Beschluss und erwarb geeignetes Gelände an der heutigen Franz-Peter-Sigel-Straße. Bis zum Spätjahr 1917 sollte der Neubau errichtet werden. Die Verwirklichung scheiterte jedoch am Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Die wirtschaftlich und finanziell schwierigen Jahre nach der Kapitulation ermöglichten es der Gemeinde nicht, einen derartigen Bau nur mit Eigenmitteln zu erstellen. Zuschüsse von staatlichen Stellen waren aber nicht verfügbar.

Im Jahre 1926 wurde die Gemeindeverwaltung in Sachen Schulhaus erneut aktiv und erreichte die Anlage eines Schulhausfonds. 1928 erbrachten Verhandlungen dann eine Zusage für einen staatlichen Zuschuss von 30.000 Mark für die Baumaßnahme.

Inzwischen hatte man vom bisher geplanten Standort Abstand genommen und hatte ein Teilgebiet des heutigen Schulgeländes erworben. Dies geschah wegen des erhöhten Gefährdungspotentials durch den Verkehr auf der heutigen Bundesstraße 3.

Aber auch dieses Projekt scheiterte, da die Eigenmittel nicht ausreichten und der Staat den eigentlich zugesagten Zuschuss anderweitig vergeben hatte. Der nächste Versuch eines Neubaus datiert aus dem Jahre 1936. Trotz des erhöhten Finanzbedarfes des Staates durch die Aufrüstungsprogramme der nationalsozialistischen Regierung wurde auf Drängen der Schulbehörde, des Gemeinderates und der Elternschaft ein neuer Zuschuss bewilligt.

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Der Bauplatz war im Laufe der Zeit durch Abbrucharbeiten zur Bebauung vorbereitet, doch diesmal setzte der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges dem Vorhaben ein jähes Ende. Für die Gemeinde war es eine Katastrophe, als mit der Währungsreform im Jahre 1948 die für den Schulhausneubau zurückgelegten Finanzmittel in Höhe von 130.000 Reichsmark dahinschwanden. Aber das Problem ließ sich nicht mehr aufschieben und allen Schwierigkeiten zum Trotz führten die Verhandlungen zum Erfolg.

Durch die Miteinbeziehung einer landwirtschaftlichen Berufsschule durch den Landkreis Bruchsal und einer damit verbundenen Förderzusage in Höhe von 50 Prozent der Bauaufwendungen und durch die besondere Förderung des Projekts durch die amerikanische Besatzungsbehörde konnte Bürgermeister Franz Josef Kuhn am 20. Mai 1950 mit folgenden Worten den Grundstein für die Volksschule legen:

"Hiermit sei der Grundstein zu unserem Schulhause gelegt. Dieses diene: Dem Unterricht und der christlichen Erziehung unserer Jugend und dadurch den Familien zum Segen und der Gemeinde zur Ehre. Möge der Herrgott unser Beginnen segnen und es zu einem guten Ende führen."

Am 18. August 1951 wurden dann beide Schulen eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben; dies waren nach dem Zweiten Weltkrieg die beiden ersten Schulhausneubauten im ganzen Kreisgebiet, die Berufsschule sogar die erste ihrer Art im ganzen Land.

Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass der amerikanische Hohe Kommissar John McCloy der Schule einen Besuch abstattete und in der Bruchsaler Rundschau vom 24. Juni 1952 auf die Frage, wie er mit der Verwendung der von ihm zur Verfügung gestellten 50.000 Mark zufrieden sei, erklärte: "Oh, ausgezeichnet, Langenbrückens Schule ist eine Musteranlage und ein Vorbild. Von ihr werden, hoffe ich, starke Impulse für die Landwirtschaft des Kreises Bruchsal ausgehen."

Somit hatte Langenbrücken nach langer Zeit endlich ein richtiges Schulhaus. Das neue Schulhaus hatte zur Zeit seiner Einweihung einige räumliche Reserven. Doch innerhalb von 20 Jahren verdoppelte sich die Bevölkerung des Ortes und so besuchten um 1968 bereits etwa 380 Kinder die Volksschule.

Auch organisatorisch ergaben sich Änderungen und damit verbunden auch Kapazitätsprobleme, die anfangs nur durch Anmietung von überzähligen Räumen von der Berufsschule und letztlich nach der Abwanderung der Berufsschule durch die Übernahme des gesamten Schulgebäudes gelöst werden konnten.

Auch die Volksschule selbst hatte durch ein neues Schulverwaltungsgesetz Änderungen erfahren. Sie wurde in die Grund- und Hauptschule aufgegliedert, wobei die Hauptschule als weiterführende Schule galt und eine Differenzierung in den Hauptfächern nach den Leistungen, einschließlich einer Fremdsprache, erfuhr. Hinzu kam die Einführung des 9. Schuljahres. Kleinere Orte wurden zu Schulverbänden zusammengeschlossen, die Kinder besuchten Nachbarschaftsschulen.

Unsere Schule hatte gerade noch die notwendige Größe für eine selbständige Grund- und Hauptschule, doch war sie bereits wieder zu klein, und so dachte man schon wieder an einen Schulhausneubau. Doch bald sollten sich neue Möglichkeiten ergeben.

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Im Jahre 1971 fusionierten die beiden Gemeinden Langenbrücken und Mingolsheim zur neuen Gemeinde Bad Schönborn. Dies hatte weitreichende Auswirkungen auf den Status der Grund- und Hauptschule Langenbrücken. Auch um die Schulraumnöte in den Griff zu bekommen, wurde folgende Regelung getroffen und umgesetzt:

Die Grundschule verblieb uneingeschränkt in Langenbrücken, die Hauptschulklassen 5 und 6 aus Langenbrücken und Mingolsheim wurden gemeinsam in der Langenbrückener Schule unterrichtet und die Hauptschulklassen 7, 8 und 9 aus beiden Ortsteilen wurden in Mingolsheim untergebracht.

Diese Regelung trat im Schuljahr 1972/73 in Kraft und die ersten Langenbrückener Hauptschüler erhielten im Februar 1973 ihre Zeugnisse mit dem Stempel der Hauptschule Mingolsheim.

Aus Schulberichten und Schulstatistiken der 80er und 90er Jahre kann man einen kontinuierlichen Zuwachs bei der Grundschule lesen und damit verbunden war natürlich ein zusätzlicher Bedarf an Schulräumen.

Die Raumnot führte dann dazu, dass im Schulbogen 1994 für die Grund- und Hauptschule Langenbrücken im Abschnitt Einzugsbereich, Schülerzahlen und Klassenaufbau keine Mingolsheimer Schüler mehr für die Hauptschulklassen 5 und 6 geführt wurden.

Steigende Schülerzahlen sowohl in Mingolsheim als auch in Langenbrücken führten nach vielen Überlegungen und Planungen über Ausbau, Aufstockung und Umnutzung von Nachbargebäuden in beiden Ortsteilen jedoch in eine ganz andere Richtung, nämlich zum Neubau einer zentralen Hauptschule zwischen den Ortsteilen.

Und so kam dann im Februar 1999 mit der Einweihung und Übergabe der Michael-Ende-Schule das endgültige Aus für die Hauptschule in Langenbrücken.

Seither befindet sich nur noch die Grundschule Langenbrücken im 1951 eingeweihten Gebäude. Wenn bislang überwiegend nur von Raumproblemen und Schulhausneubauten berichtet wurde, soll aber nicht vergessen werden, welche kaum schätzbarer Nutzen von diesem Gebäude ausging.

Dieser kann nicht in Mark und Pfennig ausgedrückt werden. Durch die Arbeit vieler an der Schule wirkender Lehrer und durch die Unterstützung einer schulfreundlichen Gemeinde konnte vielen jungen Menschen viel elementares Rüstzeug für ihr späteres Leben vermittelt werden, oder wie es 1952 Landrat Weiß bei der Begrüßung des Hohen Kommissars McCloy ausdrückte, dass ein guter Schulsack das beste sei, was man jungen Menschen mitgeben könne.

Wohl haben sich seit damals die Zeiten und damit auch die Schule gewandelt. Aber es gilt immer noch oder wieder, was der langjährige Rektor der Schule, Herr Steltz, im Jahre 1968 so ausdrückte:

"Gerade in unserer Zeit der vollkommenen Umwandlung des Arbeitslebens, ist es eine besondere Aufgabe der Schule, unseren Schülern eine bessere Bildung und Ausbildung mitzugeben, damit sie in der sich wandelnden Welt leichter Fuß zu fassen vermögen und desto sicherer ihr Lebensglück erreichen können."

Bernhard Steltz

Wir bedanken uns freundlichst bei Herrn Steltz für die Bereitstellung dieses Berichtes.